040 - 388422 040 - 388422

Törnbericht Ionisches Meer

Andrew Lever/Shutterstock.com

Das Ende der Saison ist die beste Gelegenheit, sich Gedanken über den nächsten Törn zu machen. Was liegt da näher, als einen Blick auf die Reiseberichte aus den Revieren zu werfen? Hier ein schöner Törnbericht von einer Yachtcharter im Ionischen Meer (2 Erwachsene, 2 Kinder) auf einer Bavaria Cruiser 41.

Samstagabend landen wir im dritten Jahr hintereinander wieder in Preveza. In der Lefkas Marina kurz die Klamotten aufs Schiff geschmissen, Bettwäsche und Handtücher organisiert und dann auf in die Stadt zum Essen und Fußball gucken.

Da wir diesmal drei Wochen Zeit haben, soll es bei unserer Yachtcharter im Ionischen Meer erst einmal nach Norden Richtung Korfu gehen. Später wollen wir noch unsere Lieblingsorte der letzten Jahre im Süden besuchen.
Am nächsten Morgen eine unkomplizierte Übernahme. Leider ist die Drehbrücke nördlich von Lefkas gerade kaputt und wie üblich weiß niemand ob die Reparatur Wochen, Tage oder Stunden dauert. Also erst einmal abwarten. Gegen 14 Uhr ist die Brücke repariert und wir schmeißen die Muringleine los. Um die Zeit weht es schon ordentlich aus Nord und prompt hängen wir bei achterlichem Wind auf den Muringleinen gegenüber. Die Boxengasse war letztes Jahr auch irgendwie breiter. Geht ja toll los. Vielleicht das nächste Mal doch das Bugstrahlruder nutzen, obwohl es ja was für Warmduscher ist. Nach ein paar Minuten erscheint ein Motorboot der Marina und befreit uns aus der misslichen Lage.

Auf der nördlichen Seite der Brücke lauert die Sandbank, vor der alle Reiseführer und die Zeitschrift Yacht ständig warnen. Zum zweiten Mal in einer Stunde steht dem Skipper der Schweiß auf der Stirn. Betonnung ist ziemlich mau, Wasser unterm Kiel wenige Zentimeter. Jetzt nur nicht noch den Pott auf Grund setzen.
Als das Ganze überstanden ist (nördlich halten), endlich Segel hoch und Kurs Richtung Preveza. Wir wollen auf dem Weg nach Norden den Ambrakischen Golf mitnehmen. Hier soll es viele Delfine und Meeresschildkröten geben. Preveza selbst erscheint uns im Vorbeifahren erst einmal recht unattraktiv, daher entscheiden wir schnell weiter zu fahren. Am Abend fällt Anker dann in der Bucht östlich von Vonitsa. Ab ins Wasser, Urlaub!

Am nächsten Morgen ein kurzer Gang über die kleine Halbinsel, an deren Ende eine kleine Kapelle liegt. Von hier sieht der Ort mit der alten Festung  viel attraktiver aus, als gestern bei der  Ansteuerung. Aber die Crew will weiter. Also Anker auf und weiter Richtung Osten. Bei Westwind um 3 Bft. steht auf im Ambrakischen Golf schnell eine kleine aber ungemütliche Welle. Plötzlich ist es wesentlich stiller an Bord. Ein kurzer Blick nach hinten klärt das Rätsel: das mitgeschleppte Dingi hat sich von der Klampe gerappelt. Erstes MOB-Manöver des Urlaubs. Bei der Welle ist das Ding gar nicht so einfach wieder einzufangen. Wie wir im Notfall eine Person bergen sollen, gibt uns Rätsel auf. Über die Badeplattform geht bei Welle nichts.
Gegen Nachmittag kommen wir in Menidhion an. Der Hafen ist zu flach und mit örtlichen kleinen Booten belegt. Wir ankern als einziges Segelboot weit und breit vor dem Strand in der Bucht. Hier verirren sich ausländische Touristen wohl eher selten hin. Abends wird lecker in einer Taverne gegessen. Die vielen Mücken bescheren uns eine unruhige Nacht. Am frühen Morgen halten wir es nicht mehr aus. Unter dem Bimini hört es sich an, als ob ein Bienenschwarm Amok laufen würde. Das ganze Boot ist schwarz vor Mücken, stechen tun Gott sei Dank die Wenigsten. Beim ersten Tageslicht Anker auf und weg. Schon um 9 Uhr sind wir wieder in Preveza. Auf dem Weg sehen wir zum ersten Mal in einiger Entfernung Delfine. Der frühe Tag will genutzt werden, daher beschließen wir nach Paxos durchzufahren. So früh geht noch kein Wind, also Hebel auf den Tisch, Autopilot an und Buch raus.
Nach rund 35 Seemeilen sind wir vor Gaios auf Paxos Die Ansteuerung des Hafens durch die schmale Durchfahrt zwischen der vorgelagerten Insel und dem Ort ist recht abenteuerlich. Im Hafen ist tatsächlich noch ein Platz frei. Viel später als zwei Uhr sollte man aber nicht kommen. Alternativ Punkt halb fünf einlaufen. Dann legen die ganzen Ausflugsdampfer ab und schaffen bis zum nächsten Morgen viel Platz. Den muss man allerdings so gegen 10-11 Uhr wieder freimachen.
Der Ort gefällt uns sehr gut. Nach dem Essen ziehen wir in die Taverne nebenan und schauen ein Fußballspiel auf einem Großbildschirm.

Am nächsten Morgen reißt uns erst einmal die Motoryacht nebenan den Anker raus. Aber kein größeres Problem, der Anker hält im Hafenbecken sofort wieder und wir haben bei 3 Meter Wassertiefe 40 Meter Kette ins Becken geschmissen. Leider funktioniert die Ankerwinsch plötzlich nicht mehr. Nach einigem Probieren hilft nur noch ein Telefonat mit der Basis.

Gegen Mittag legen wir ab und wollen nach Lakka an der Nordspitze von Paxos. Bei schönem Westwind segeln wir erst einmal eine Runde am Wind Richtung Korfu. Zwischen Paxos und Korfu steht bei auffrischendem Wind eine ganz schöne Welle. Bei 20 Knoten Wind reffen wir das Groß. Als Gischt überkommt rächt sich, dass wir bei dem angedachten Schönwettersegeln das Boot nicht richtig klar gemacht haben. Eine Welle setzt durch das nicht richtig verschlossene Luk die Vorschiffkabine unter Wasser. Wir brechen das Segeln ab und suchen den Schutz in Lakka. In der geschützten Bucht ist der Spuk sofort vorbei und wir ankern mit Landleine an der Nordseite der Bucht. Die Matratzen müssen an Deck getrocknet werden und erweisen sich dabei als optimale Unterlage zum Dösen. Die wunderschöne Bucht ist gut besucht und die frei ankernden Schiffe stehen dicht an dicht. Der Ort ist sehr idyllisch.

Vergrößern
Segeltör im Ionischen Meer - auch mit lebhaftem Wind

Den nächsten Tag verbringen wir in der Bucht mit schnorcheln und sonnen. Für die Nacht ist Wind angesagt und wir bringen abends eine zweite Landleine aus. Nachts frischt es auf und der Wind dreht auf Südwest. Nun ist Stimmung in der Bucht, da etliche Boote sich bei beim Schwojen ziemlich nahe kommen. Wildes Motoren durch die stockfinstere Bucht. Zu Beginn unseres Urlaubs haben wir insgesamt ungewöhnliches Wetter. Wind schon ab 10 Uhr und nicht wie gewohnt erst ab 15 Uhr. Die Nächte sind frisch und wir sind froh, dass ausreichend Decken an Bord sind, die wir früher immer weit unten weggestaut hatten. Mag aber auch daran liegen, dass wir mit Anfang Juli recht früh dran sind.

Die nächsten drei Tage pendeln wir bei ständigem Wind aus West bis Nordwest erst aufs Festland nach Platarias, dann nach Petriti auf Korfu und sind pünktlich zum Finale am Sonntag in Korfu-Stadt. Wir finden einen Platz im Noak-Yachtclub südlich der Festung (40 Euro die Nacht), stellen aber später fest, dass der Hafen nördlich der Festung etwas schöner gewesen wäre. Zumindest gibt es dort keine Motoryachten mit ständig laufenden Generatoren. Am nächsten Tag geht es wieder Richtung Süden nach Mourtos am Festland, weiter nach Parga und dann wieder nach Preveza. Unterwegs dorthin begleitet uns eine Zeitlang eine Delfinschule, dieses Mal direkt am Bug. Wir liegen in Preveza im Stadthafen und finden den Ort deutlich reizvoller, als gedacht.
Von Preveza machen wir einen langen Schlag die Westküste Lefkas entlang nach Fiskardo auf Kefalonia, einem unserer Lieblingsorte hier, auch wenn die nachmittäglichen Ankermanöver bei Starkwind von der Seite immer etwas abenteuerlich sind. Wir liegen an der Nordseite der Bucht gegenüber dem Ort, unserer Meinung nach der beste Platz. Man kann wunderbar schwimmen, hat abends Ruhe und ist trotzdem zu Fuß in 10 Minuten im Ort.

Nach einem Tag Pause geht es weiter nach Eufemia und dann verbringen wir eine Nacht mit Grillen in unserer absoluten Lieblingsbucht direkt an der nördlichen Ecke der Bucht von Eufimia. Wir haben die Bucht abends, wenn die paar Tagestouristen abgefahren sind, für uns alleine. Hier vertreiben uns aber am nächsten Morgen die Wespen und wir umrunden die Südspitze Itakas und machen einen Badestopp an der Pera Pigadhi. Unseren Plan, dort vielleicht über Nacht zu bleiben, geben wir bei stark auffrischendem Wind am frühen Nachmittag auf. Wir beschließen nach Kalamos zu segeln. Der Wind frischt immer mehr auf.

Südlich der One House Bay müssen wir bei 20 Knoten Wind das Groß reffen. Plötzlich haben wir 35 Konten auf der Anzeige. Bei einem guten Meter Welle nehmen wir schnell das Groß ganz weg. Unter Fock laufen wir mit 6 Knoten Richtung Kalamos. Später lässt der Wind etwas nach und wir können wieder mit gerefftem Groß und konstanten 7 Knoten durch den Kanal zwischen Kalamos und Kastos fliegen. In Port Leone ist es herrlich geschützt und wir liegen an der Südseite mit Landleine.
Am nächsten Tag gibt es endlich mal Regatta. Gegen Mittag treffen wir im Kanal auf die Boote aus dem Hafen von Kalamos. Es heißt bei Westwind aufkreuzen. Wir liefern uns ein Battle mit einer Bavaria 45. Ziel aller Boote ist in der Regel wieder die One House Bay. Durch die neuen Segel und die Genuaschienen auf dem Aufbau, können wir sehr hoch am Wind laufen und gewinnen deutlich. Der Badestopp in der One House Bay entfällt, da hier durch den starken Wind aus Südwest eine hohe Welle steht. Wir gehen nach Kioni und ankern mit Landleinen an der Südseite der Bucht. Kioni bietet abends perfektes Hafenkino, da es regelmäßig von unzähligen Flottillen angelaufen wird. Die Bucht ist mit 10 bis 15 Meter recht tief. Ohne 50 bis 60 Meter Ankerketten an Bord wird es hier also schwierig.
Nach einem letzten Hafentag geht es nach Meganisi ist die Abelike Bucht. Am letzten Tag ein Badestop auf Skorpios. Die bisher zugängliche große Ankerbucht im Süden ist nach dem Verkauf der Insel von Onassis an Russen nun gesperrt. Einzig etwas weiter Richtung Nidri ist noch eine kleine Bucht frei zugänglich. Hier ist unter Land aber nur Platz für 4-5 Boote und am späteren Vormittag lassen vor der Bucht haufenweise Megayachten den Anker fallen und die Bucht ist voll mit kleinen Ausflugsbooten aus Nidri.
Als es uns zu wuselig wird, machen wir uns auf den Weg zurück nach Lefkas. Die Kinder wollen noch einmal segeln, also kreuzen wir auf. Um zwei Uhr weht es wieder volle Pulle aus Nord, wie üblich, wenn wir erst tanken und dann festmachen wollen. Bugstrahlruder ist jetzt natürlich in Standby. Gegen 15 Uhr liegt unser Boot wieder sicher in der Marina. Der Taucher hat nichts zu meckern und auch die Rückgabe am nächsten Morgen verläuft problemlos.

Ein toller Törn in einem tollen, familienfreundlichen Revier ist leider wieder vorbei.

Die neue Bavaria 41 bietet für vier Personen üppig Platz. Mit dem neuen Großschotsystem ohne Traveller konnten wir uns nach einiger Zeit auch anfreunden. Das Vorsegel ist für das Revier etwas klein. Mangels alternativer Vorsegel wäre ein Gennacker oder Blister toll. In der Plicht fehlt es an Haltegriffen, da die bisherigen Griffe auf den Steuersäulen entfallen sind. So muss man sich meist auf den Steuerrädern abstützen, was natürlich nicht so gut ist. Alles in allem aber ein tolles, schnelles Boot.

🗸 Exklusive Angebote, Revier-Tipps und Berichte
🗸 Von Seglern für Segler 🗸 Jederzeit kündbar

Neueste Blog Artikel