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Sicherheitseinweisung auf einer Segelyacht

Der erste Tag des Segeltörns: Eincheck, Verproviantieren, Vorfreude! Das Wetter ist super – Sonne satt und gerade die passende Windrichtung. Also: „Klar bei Leinen und Fender“ und los… oder war da noch etwas?

Wer denkt in diesen Stunden schon an das Thema Sicherheitseinweisung? Wir sitzen schließlich nicht im Flugzeug sondern auf unserer gecharterten Urlaubsyacht. Außerdem ist der erste Tag ja meistens auch so schon hektisch genug. Vielleicht ergibt sich ja draußen unter Segeln noch mal die Gelegenheit, der Crew alles in Ruhe zu erklären… Solche oder ähnliche Überlegungen können dazu führen, dass die notwendige Sicherheitseinweisung insbesondere auch bei erfahrenen Crews manchmal unterbleibt.

Dabei weiß jeder Skipper, dass die Sicherheitseinweisung zu Beginn eines Törns zwingend dazu gehört. Schließlich sollte jedes Crewmitglied darüber informiert sein was in einem Notfall zu tun ist, welche Sicherheitseinrichtungen an Bord sind und wie sie verwendet werden. Unterbleibt die Einweisung der Crew in die sicherheitsrelevanten Themen, setzt sich der Skipper dem Vorwurf der Fahrlässigkeit aus – mit allen Konsequenzen, die dies im Ernstfall haben kann. Es ist also gleichgültig, wie hektisch es am ersten Tag der Charterwoche zugehen mag, wie schön das Wetter ist oder wie hoch die Vorfreude auf den ersten Schlag unter Segeln bereits gestiegen ist: Die Sicherheitseinweisung ist im Interesse aller Mitsegler an Bord unverzichtbar. Ein Eintrag über ihre Durchführung gehört übrigens auch ins Logbuch.

Dabei hängt der Umfang der Einweisung naturgemäß von der Erfahrung der Crew ab. Es gibt in der Literatur und im Internet eine Unmenge an Checklisten und gutgemeinte Ratschläge, was so alles zu beachten ist oder sein könnte und worauf vielleicht am Rande noch hinzuweisen wäre. Hier sollte ein vernünftiger Skipper jedoch das richtige Maß finden. Keinem ist damit gedient, wenn vor dem ersten Ablegen einen drei-Stunden-Vortrag gehalten wird, an deren Inhalt sich aber einen Tag später keiner von der Crew mehr erinnern kann.

Also konzentrieren wir uns bei der Sicherheitseinweisung auf das Wesentliche und auf diejenigen Punkte, die unmittelbar mit der für uns neuen Charteryacht zu tun haben.

Persönliche Sicherheit einzelner Crewmitglieder

Das Thema umfasst die Hinweise auf die richtige Bekleidung (Schuhe, Handschuhe) an Bord über den sicheren Stand und Bewegung auf der Yacht und dem notwendigen Respekt vor dem Baum und den Umgang mit allem laufenden Gut. Diese Hinweise können bei einer erfahrenen Crew sicher knapper ausfallen als bei Segelneulingen. Aber auch für die erfahrensten Mitsegler sind die Sicherheitsgurte und die Schwimmwesten an Bord häufig unbekannte Modelle. Einmal ausgeteilt kann jeder Mitsegler die Sicherheitsausrüstung für sich selbst anpassen. Hat die gesamte Crew die Sicherheitsgurte und Schwimmwesten dazu angelegt, dann kann man bei dieser Gelegenheit auch gleich einmal gemeinsam nachschauen, wo an Bord der Yacht, in der Plicht und auf dem Vordeck, die geeigneten Punkte zum Einpicken sind. Anschließend kann jeder Mitsegler die Schwimmweste und den Sicherheitsgurt in der Nähe seiner eigenen Koje verstauen um jederzeit sicher zu wissen, wo er sie wiederfinden kann.

Hausordnung

Auch hier ist bei einer erfahrenen Crew z.B. der Hinweis auf das Rauchverbot unter Deck oder auf das verbotene „Relingsklo“ häufig nicht mehr erforderlich. Beim Umgang des Pump-WCs und den diversen Ventilen zeigen sich bei manchen Crewmitgliedern jedoch gelegentlich beachtliche Gedächtnislücken von einem Törn zum nächsten, die durch eine kurze Erläuterung wieder aufgefüllt werden können.

Auf den unterschiedlichen Charteryachten ist oft auch festzustellen, dass die Systeme zur Gasversorgung sehr unterschiedlich ausgelegt sind. Um nach jeder Benutzung des Gasherdes die Absperrventile ordnungsgemäß wieder schließen zu können, sollten Sie sich deren Position mit der gesamten Crew einmal anschauen. Auch Erläuterung des Sicherungspanels und der Lichtschalter unter Deck für die ganze Crew macht das Leben auf der Segelyacht einfacher und sicherer.

Stauorte und Bedienung der Sicherheitsausrüstung

Den größten Teil der Sicherheitseinweisung macht naturgemäß der Abschnitt über die Ausrüstungsgegenstände aus, die explizit der Sicherheit auf einer seegehenden Yacht gewidmet sind. Um nichts Wichtiges zu vergessen, hilft an dieser Stelle eine Checkliste:

  • UKW Sprechfunk: Bedienung, Funktionsprüfung. Bitte erläutern Sie der Crew, wie ein UKW Notruf abgesetzt werden kann und welchen Inhalt er hat. Im Notfall darf jedes Crewmitglied einen Funkspruch absetzten und sollte dies auch können (zur Veranschaulichung können Ablauftafeln für einen Seenotfunkspruch bereitgelegt werden).
  • Feuer an Bord: Sprechen Sie mit der ganzen Crew das Verhalten im Brandfall durch. Überprüfen Sie bei dieser Gelegenheit die Stauorte von Feuerlöschern und Löschdecken und erläutern und simulieren Sie deren Verwendung.
  • MOB-Tasten auf GPS Geräten: Funktion und Handhabung erläutern.
  • Lenzpumpen: Position und Bedienung der elektrischen und manuellen Lenzpumpen erläutern. Überprüfen Sie bei dieser Gelegenheit doch auch einmal deren Funktionsfähigkeit.
  • EPIRB-Boje (soweit vorhanden): Stauort herausfinden und Auslösung erläutern.
  • Signalmittel: Stauort herausfinden und Handhabung erläutern. Bitte sprechen Sie auch die Einsatzbedingungen der verschiedenen Signalmittel mit der ganzen Crew durch.
  • Rettungskragen mit Blitzboje: Position und Befestigung untersuchen, Handhabung erläutern, Funktionsprüfung.
  • Rettungsinsel (soweit vorhanden): Stauort herausfinden, Bedienung erläutern.
  • Notruderpinne: Stauort herausfinden und Verwendung erläutern.
  • Bolzenschneider: Stauort herausfinden und Verwendung erläutern.
Stauorte und Bedienung sonstiger Ausrüstung

An Bord einer Segelyacht gibt es über die Sicherheitsausrüstung hinaus noch verschiedene andere Ausrüstungsgegenstände, die im Hinblick auf die Sicherheit an Bord Beachtung finden sollten.

  • Werkzeugkasten und Ersatzteile (soweit vorhanden): Überprüfen und erläutern.
  • Beiboot und Außenborder (soweit vorhanden): Funktionsprüfung, Verwendung erläutern.
  • Verbandkasten und Bordapotheke (falls vorhanden): Stauort herausfinden und bitte, überprüfen Sie auch einmal den Inhalt.
  • Maschine: Funktionsprüfung und Bedienung erläutern (Ein/Ausschalten, Vorwärts-/Rückwärtsgang, Kraftstoffabsperrhahn).
  • Navigationslichter: Position der Schalter herausfinden und Funktion prüfen.
  • Anker: Position der Sicherungen herausfinden, Bedienung erläutern, Funktion prüfen.
Notrolle

Aufgabe der Notrolle ist es sicherzustellen, dass ein einem Notfall die Gefahrenabwehr schnell und effektiv aufgenommen werden kann, ohne dass vorher Zuständigkeiten festzulegen sind. Dazu werden die im Falle eines Falles erforderlichen Aufgaben vorab bestimmten Crewmitgliedern zugewiesen. Beispielsweise kann schriftlich festgehalten werden, dass der Mitsegler X im Falle des Einsatzes der Rettungsinsel für deren Vorbereitung und für das Packen eines Notpaketes zuständig ist. Weiter kann die Notrolle vorsehen, dass im Falle der Verhinderung von X sein Mitsegler Y die Aufgabe übernimmt. Aufgaben im Rahmen einer Notrolle können z.B. die Folgenden sein:

  • Aufgabenverteilung bei MOB z.B.: Beobachten der über-Bord gefallenen Person / Fahren des MOB-Manövers / MOB-Taste auf dem GPS drücken.
  • Aufgabenverteilung bei Feuer: Schließen von Gas- oder Treibstoffhahn / Feuer löschen / Yacht in den Wind drehen.
  • Aufgabeverteilung bei Wassereinbruch: Lenzen / Lecksuche und –abdichtung.
  • Aufgabenverteilung für den Seenotfunk und für Seenotsignale.
  • Aufgabenverteilung beim Verlassen der Yacht: Rettungsinsel und Notfallausrüstung klarmachen.

Es gibt im Internet eine Vielzahl von Formularen und Listen, die man zum Zweck der Festlegung einer Notfallorganisation auf der Yacht zur Hilfe nehmen kann. Ob und in welchem Umfang ein Notrollen Plan aufgestellt wird, obliegt dabei dem Skipper. Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang, dass die Crewmitglieder, denen eine Aufgabe zugeteilt wurde auch wirklich wissen, was sie zu tun haben und nicht nur mit Namen und Unterschrift in einer umfangreichen Liste geführt werden.

Klar bei Leinen und Fender

Nachdem Sie nun mit Ihrer Crew die sicherheitsrelevanten Verhaltensweisen besprochen haben und alle Gegenstände der Sicherheitsausrüstung gefunden, überprüft und deren Handhabung mit der Crew besprochen haben, steht dem Beginn des Törns nichts mehr im Weg. Erläutern Sie Ihrer Crew falls noch nötig, wie man eine Yacht seeklar macht:

  • Luken und Ventile schließen
  • Alle Gegenstände unter Deck seeklar stauen

Und dann nichts wie raus aus dem Hafen und die Segel setzen!

Die wesentlichen, sicherheitsrelevanten Manöver wie das Reffen, Beidrehen oder das Mann-über-Bord-Manöver sollten dann möglichst bald nach Beginn des Törns unter Segeln und unter Zuhilfenahme der Maschine einmal geübt werden. Auch hier gilt, dass möglichst alle Mitsegler mit dem Ablauf der Manöver vertraut sein sollten.

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