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Anlegen wie die Profis – Hafenmanöver für jeden Segler

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Mal ehrlich: Wie steht es eigentlich um unsere praktische Übung bei den Hafenmanövern, die während jedes Segeltörns auf uns zukommen?

Natürlich wird unsere Charteryacht in erster Linie vom Wind angetrieben! Für die schönsten Stunden und über die meisten Seemeilen hinweg lassen wir uns zwischen Backstagsbrise und hoch-am-Wind Kursen über die See tragen. Aber auch der schönste Chartertörn beginnt und endet schließlich im Hafen und dort bewegen wir unsere Segelyacht mit Hilfe der Maschine.

Insbesondere wir Chartersegler müssen uns ja in der Regel bei jedem Törn auf eine neue Yacht einstellen und jede Yacht reagiert bedingt durch ihren Rumpf-, Maschinen- oder Propellertypus ein wenig anders. Umso sinnvoller erscheint es, sich vor dem Start in eine neue Segel- und Urlaubssaison noch einmal grundsätzliche Gedanken über Maschinenmanöver für Segelyachten zu machen. Eine Yacht reagiert ja bei der Fahrt mit dem Motor nicht wie ein fest auf der Straße liegendes Auto. Unsere Manöver mit der Antriebsmaschine unterliegen den Einflüssen vom Wind und den konstruktiven Eigenarten unserer Yacht.

Verschiedene Einflussfaktoren auf die Manöver

Jeder Skipper kennt die Wirkung des Windes auf eine sich mit der Maschine fortbewegende Yacht: Je geringer die Fahrt umso größer ist der Einfluss des Windes. Dabei wirkt die versetzende Kraft des Windes überwiegend auf das Vorschiff. Sollte also ein Teil der Yacht durch den Wind unbeabsichtigt auf Drift gehen, so handelt es sich dabei um den Bug. Die Kraft, die der Wind auf das Vorschiff unserer Yacht ausübt ist sicher der Faktor, der bei Manövern mit der Maschine den größten Störfaktor darstellt.

Darüber hinaus gibt es eine größere Zahl von Einflussfaktoren, die mit der Yachtkonstruktion zu tun haben. Zu nennen sind hier die Motorleistung, der Lateralplan oder die Form der Aufbauten. Je stärker der Motor ist, desto mehr Kraft steht für unsere Manöver zur Verfügung. Ein kleiner, geteilter Lateralplan, wie er heute bei den meisten Charteryachten vorzufinden ist, bewirkt eine hohe Drehfreudigkeit der Yacht. Die aktuell gängigen großen und voluminösen Aufbauten sorgen für hohe Windempfindlichkeit der Yachten.

In der Praxis ist jedoch insbesondere die Drehrichtung des Propellers von hoher Relevanz für die Durchführung der Maschinenmanöver. Natürlich – dabei geht es um den Radeffekt!

Der Radeffekt

Um den Radeffekt zu verstehen, stelle man sich den Blick von achtern auf den Propeller vor. Der Radeffekt wirkt, als ob der Propeller die Yacht nicht nur vorwärts oder achteraus antreibt, sondern als ob er sich darüber hinaus auch noch wie ein Rad auf dem Grund des Hafenbeckens drehen würde.

Man unterscheidet zwischen rechtsdrehenden und linksdrehenden Propellern. Rechtsdrehend bedeutet, dass der Propeller sich im Vorwärtsgang, von achtern betrachtet, im Uhrzeigersinn dreht; ein linksdrehender natürlich anders herum.

Der Radeffekt bewirkt nun, dass ein rechtsdrehender Propeller das Heck bei Vorausfahrt etwas nach Steuerbord drückt, ein linksdrehender drückt es nach ein wenig nach Backbord.

Viel wichtiger jedoch als die Wirkung des Radeffektes bei Vorausfahrt ist für die Maschinenmanöver seine Wirkung bei der Rückwärtsfahrt. Ein rechtsdrehender Propeller versetzt das Heck in der Rückwärtsfahrt nach Backbord, ein linksdrehender Propeller nach Steuerbord.

Auf jeden Fall sollten Sie als Skipper die Drehrichtung und die Wirkung des Radeffektes vor einem Törn ausprobieren. Legen Sie dazu während des Einchecks und der Einführung in die technischen Elemente Ihrer Charteryacht, noch festgemacht an Ihrem Liegeplatz, bei laufendem Motor vorsichtig den Rückwärtsgang ein und beobachten Sie, wohin das Heck Ihrer Yacht sich bewegt.

Ist die Wirkungsrichtung des Radeffektes bekannt, lassen sich damit einige Manöver sehr effektiv unterstützen. Eine weitere Überlegung erscheint jedoch noch erforderlich bevor wir uns mit den Manövern selbst befassen: Warum ist eigentlich der Radeffekt im Rückwärtsgang viel stärker und für unsere Manöver viel wichtiger als der Radeffekt im Vorwärtsgang?

Der Umstand, dass uns der Radeffekt in erster Linie im Rückwärtsgang interessiert, hängt mit der Position des Ruders hinter dem Propeller zusammen. Aber der Reihe nach - Zunächst zur Frage, weswegen der Radeffekt im Vorwärtsgang nur eine untergeordnete Rolle spielt: Man stelle sich dazu vor, wie der Propeller im Vorwärtsgang einen Schwall strömenden Wassers nach achtern zum Ruderblatt schickt. Auch ohne Fahrt durchs Wasser sorgt dieser Wasserstrom dafür, dass die Yacht auf die Lage des Ruderblattes reagiert. So dreht beispielsweise bei Ruderlage nach Backbord der Bug nach Backbord wenn der Vorwärtsgang eingelegt wird. Das geschieht noch bevor die Yacht Fahrt voraus aufnehmen kann. Im Rückwärtsgang fehlt jedoch die Steuerwirkung des Ruderblattes. Der vom Propeller ausgelöste Schraubenstrom ist zum Bug der Yacht gerichtet und trifft eben nicht auf das Ruder. Folglich wirkt in einem Moment ohne oder mit nur geringer Fahrt achteraus ausschließlich der Radeffekt als Drehimpuls auf das Heck. Wenn Sie also mit geringer Fahrt oder aus dem Stillstand der Yacht heraus den Rückwärtsgang einlegen, versetzt nur der Radeffekt Ihr Heck, gleichgültig in welche Richtung Ihr Ruder gelegt ist.

Wir können also festhalten: Bei Stillstand unserer Yacht oder bei sehr geringer Fahrt wirkt im Vorwärtsgang die Ruderlage auf die Drehtendenz unserer Yacht, im Rückwärtsgang wirkt in erster Linie der Radeffekt.
Diesen Umstand können wir für wichtige Manöver nutzen: Das Drehen auf engstem Raum sowie das An- und Ablegen mit der „Schokoladenseite“ an der Pier.

Für alle folgenden Manöver stellen wir uns nun beispielhaft eine Segelyacht vor, die mit einer Maschine mit rechtsdrehendem Propeller ausgestattet ist. Beim Eincheck an der Basis hat sich der Skipper durch kurzen Rückwärtsschub am Liegeplatz vergewissert, dass das Heck im Rückwärtsgang nach Backbord versetzt wird.

Drehen auf engstem Raum
Marseilles Hafen im Sommer
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Wenn im Rückwärtsgang der Radeffekt das Heck unserer Yacht versetzt, z.B. wie bei unserer Beispielyacht nach Backbord, dann können wir diesen Umstand sehr gut in Situationen verwenden, in denen es auf einen kleinen Drehkreis ankommt. Denken wir einmal an die engen Boxengassen in einer Marina. In den meisten Fällen ist ein Drehkreis über zwei oder mehr Schiffslängen völlig utopisch, weil der Platz zwischen den in der Marina liegenden Yachten gar nicht zur Verfügung steht. Deswegen machen wir uns den Radeffekt zunutze, um quasi „auf dem Teller“ zu drehen. Stellen Sie sich vor, die Yacht steht still oder macht nur noch sehr langsame Fahrt voraus. Der Rudergänger legt das Ruder nun hart Steuerbord und gibt einen Schub mit der Maschine im Vorwärtsgang. Was passiert? Die Yacht macht durch den Schraubenstrom, der das Ruderblatt erreicht, eine kleine Drehung nach Steuerbord, noch bevor sie mehr Fahrt voraus aufnehmen kann. Nun geht der Rudergänger mit der Maschine in den Rückwärtsgang. Das Ruder bleibt in hart-Steuerbord-Lage. Achtung: Zwischen Vor- und Rückwärtsgang sollte auf jeden Fall eine „Getriebegedenksekunde“ eingehalten werden. Also zur Schonung des Wendegetriebes bitte nicht vom Vorwärtsgang direkt in den Rückwärtsgang durchschalten, sondern den Gang- und Gashebel ein- bis zwei Sekunden in der neutralen Stellung stehen lassen.

Der Rückwärtsgang versetzt nun das Heck der Yacht durch den Radeffekt nach Backbord. Bevor die Yacht jedoch nennenswerte Fahrt achteraus aufnehmen kann, geht der Rudergänger aber wieder in den Vorwärtsgang und erzielt mit dem Bug erneut eine kleine Drehung nach Steuerbord. Dann wieder in den Rückwärtsgang um dem Heck mit dem Radeffekt einen neuen Drehimpuls nach Backbord zu geben. Auf diese Weise wird die Yacht Stück für Stück auf dem Fleck gedreht: Mit dem Vorwärtsgang und dem Ruder den Bug immer weiter nach Steuerbord drücken, mit dem Rückwärtsgang und dem Radeffekt das Heck nach Backbord ziehen und wieder von vorn. Das Ruder bleibt dabei stets in seiner hart-Steuerbord Position und braucht vom Rudergänger eigentlich gar nicht angefasst zu werden. Er dreht die Yacht ausschließlich mit dem Gang- bzw. Gashebel.

Hier noch ein Tipp: Um möglicherweise erforderlichen Drehmanövern in den immer enger werdenden Boxengassen moderner Marinas von vornherein aus dem Weg zu gehen bewährt es sich, beim Einlaufen bzw. der Suche nach einem Liegeplatz rückwärts zu fahren. Sofern beispielsweise kein Liegeplatz vorhanden ist oder wenn sonst etwas Unerwartetes passiert, brauchen Sie die Yacht nicht erst zu drehen, sondern können sofort in den Vorwärtsgang wechseln. Durch den Schraubenstrom haben Sie augenblicklich den gewünschten Rudergriff um die Yacht in jede beliebige Richtung zu steuern und aus der Boxengasse wieder hinauszufahren.

An- und Ablegen mit der „Schokoladenseite“ und dagegen
Yachten in Port Fairy (Moyne River) in Victoria, Australien
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Auch für An- und Ablegemanöver lässt sich der Radeffekt nutzen: Für unsere Beispielyacht mit dem rechtsdrehenden Propeller bedeutet der Versatz des Hecks im Rückwärtsgang nach Backbord, dass die Backbordseite für Anleger längsseits zur Pier die einfachere, oder die „Schokoladenseite“ darstellt.

Nachdem die Fender außenbords gehängt wurden und die Leinen klarliegen fährt der Skipper bei diesem Manöver einfach in einem Winkel von vielleicht 30° - 45° auf den Liegeplatz zu. Bei geringer Fahrt, die den Windverhältnissen angepasst ist, wird, wenn der Bug die Pier fast erreicht hat, der Rückwärtsgang eingelegt. Der Radeffekt versetzt nun das Heck nach Backbord, solange bis die Yacht parallel zur Pier liegt. Nun können die Leinen ausgebracht werden.

Das längsseitige Anlegen gegen die „Schokoladenseite“, also mit der Steuerbordseite ist dagegen ein bisschen schwieriger, weil der Radeffekt hier nicht hilft, sondern eher etwas stört und kompensiert werden muss. Wiederum fährt die Yacht in einem Winkel von vielleicht 30° - 45° auf den Liegeplatz zu. Wichtig ist jetzt, dass auch das Heck gut durch Fender geschützt ist. Der Rudergänger steuert die Yacht mit sehr langsamer Fahrt so nah wie möglich zunächst parallel zur Pier und gibt, sobald der Liegeplatz erreicht ist, leicht Backbordruder. Das Heck kommt dabei der Pier sehr nahe. Mit dem Rückwärtsgang wird die Yacht schließlich aufgestoppt und der Radeffekt zieht das Heck wieder von der Pier weg und die Yacht insgesamt damit in eine parallele Position zur Pier. Nun können die Leinen ausgebracht werden.

Für Ablegemanöver verhält es sich natürlich genau umgekehrt: Die mit der Steuerbordseite an der Pier festgemachte Yacht kann den Radeffekt sehr effektiv für das Ablegen nutzen. Bei gut ausgefenderter Bugpartie geht der Rudergänger in den Rückwärtsgang nachdem die Leinen gelöst wurden. Die Ruderlage ist zunächst gleichgültig, denn der Radeffekt versetzt das Heck der Yacht nach Backbord, weg von der Pier. Sobald die Yacht Fahrt achteraus aufgenommen hat, sollte jedoch das Ruder mittschiffs gestellt werden, da es nun angeströmt wird und Griff bekommt. Achtung: Wenn die Yacht Fahrt achteraus aufgenommen hat, sollten Sie unbedingt zu jeder Zeit das Ruder fest in der Hand behalten. Anders als bei der Fahrt voraus, würde das Ruder beim Loslassen sonst mit Wucht nach Backbord oder Steuerbord schlagen und dabei möglicherweise Schaden an der Aufhängung nehmen.

Ist die Yacht nun rückwärts weit genug von der Pier weggefahren und von anderen Booten entfernt, kann der Rudergänger dann auch den Vorwärtsgang einlegen und Fahrt voraus aufnehmen.
Sollte die Yacht jedoch mit der Backbordseite an der Pier liegen, kann der Skipper nur den Vorwärtsgang nutzen, um das Ruderblatt anzuströmen und den Bug in einem möglichst großen Winkel von der Pier wegzubringen. Dazu ist etwas Platz nach vorn erforderlich. Der Rückwärtsgang kann in dieser Situation nicht genutzt werden, da der Radeffekt das Heck der Yacht an der Pier entlangschrammen lassen würde. Seht der notwendige Platz nach vorn aber nicht zur Verfügung, bleibt nur das Eindampfen in die Achter- oder Vorspring um den Liegeplatz zu verlassen.

Das sogenannte „Eindampfen in die Spring“ ist ein wichtiges Manöver, um mit unserer gecharterten Segelyacht auch aus engen Liegeplatzsituationen ablegen zu können. Daher soll es hier ebenfalls kurz dargestellt werden.

Eindampfen in die Spring
Yacht im Hafen
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Die Nutzung der Vorspring für unser Ablegemanöver hat eine Reihe von Vorteilen. So kann das Manöver uns aus sehr beengten Liegeplatzverhältnissen heraushelfen. Man kann es auch mit kleinster Crew durchführen und Windeinfluss oder den oben beschriebenen negativen Einfluss des Radeffektes kompensieren.

Beim Ablegen durch Eindampfen in die Vorspring wird zunächst der Bug sehr sorgfältig ausgefendert, denn hier baut sich im Lauf des Manövers großer Druck auf. Dann wird die Vorspring soweit angeholt, dass sie auf Zug steht. Darüber hinaus wird sie auf Slip gelegt um im richtigen Moment losgeworfen werden zu können. Der Motor kann nun gestartet und der Vorwärtsgang eingelegt werden. Das Ruder liegt hart weg von der Pier. Wenn die Yacht also mit der Steuerbordseite längsseits zur Pier liegt, liegt das Ruder nach Backbord, liegt sie mit der Backbordseite an der Pier, liegt das Ruder nach Steuerbord. Auf diese Weise soll die Yacht mit laufender Maschine und fixierter Vorspring an der Pier gehalten werden. Es sollten sich also die Vor- und Achterleine sowie die Achterspring entfernen lassen, ohne dass sich die Ausrichtung unserer Yacht verändert. Der Schraubenstrom drückt den Bug der Yacht in die Vorspring, während das Ruder sie mit dem Heck zur Pier hält.

Um jetzt von unserem Liegeplatz loszukommen, braucht der Rudergänger lediglich das Ruder in Richtung der Pier zu legen. Durch diese Rudergabe dreht sich das Heck von der Pier weg, weil ja das Ruder durch den Schraubenstrom angeströmt wird und Rudergriff entfaltet. Da der Bug an der Pier anliegt und durch die Vorspring fixiert ist, kann nur das Heck auf die Ruderlage reagieren. Auf diese Weise drehen wir das Heck und damit unsere Yacht bis sie etwa in einem rechten Winkel zur Pier liegt. Mit der Motordrehzahl können wir dabei variieren, um z.B. störenden, auflandigen Windeinfluss zu kompensieren. Haben wir durch das Eindampfen einen ausreichenden Winkelabstand zur Pier erreicht, wechselt der Rudergänger (Achtung: Getriebegedenksekunde nicht vergessen!) in den Rückwärtsgang. Sobald die Yacht Fahrt achteraus aufgenommen hat, muss die auf Slip liegende Vorspring entfernt werden und wir können uns vom Liegeplatz frei fahren.

An- und Ablegen mit einer Mooring
Yachten mit Mooring im Stadthafen von Marseille im Sommer
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Nachdem wir uns Gedanken über An- und Ablegemanöver längsseits zur Pier gemacht haben, soll hier natürlich auch das in Mittelmeerländern übliche An- und Ablegen in Marinas angesprochen werden, die mit Moorings oder Muringleinen ausgestattet sind. Die Muringleinen liegen vom Steg weg in die Boxengasse hinein, in deren Mitte sie von einer dicken Kette oder einem Muringstein am Grund des Hafenbeckens gehalten werden. Ob in Spanien, Kroatien oder in der Türkei, überall liegen die Yachten in aller Regel mit dem Heck zur Pier und sind dort mit zwei Heckleinen festgemacht, während der Bug von der Mooringleine gehalten wird.

Zur Vorbereitung des Anlegemanövers wird die Yacht an beiden Seiten ausgefendert. Wichtig ist darüber hinaus ein weiterer Fender, z.B. ein dicker Kugelfender, der unser Heck vor Beschädigungen schützt. Auch legen wir uns die Achterleinen klar. Wichtig ist dabei, dass die Leinen von den Heckklampen aus unterhalb der Reling verlaufen und nicht etwa über der Reling liegen. Ein Crewmitglied soll für die Arbeit mit der Muringleine zuständig sein. Arbeitshandschuhe zum Schutz gegen Dreck und Bewuchs an der Muringleine leisten hier gute Dienste. Auch mit einem Bootshaken zum Auffischen der Muringleine aus dem Hafenbecken sollte das Crewmitglied ausgestattet sein.

So vorbereitet fahren wir rückwärts durch die Boxengasse auf unseren Liegeplatz zu. Bevor wir mit unserem Heck auf den Liegeplatz zudrehen, wird der Motor ausgekuppelt. Der Restschwung muss reichen, um die Yacht bis zum Liegeplatz zu bringen. Achtung: Bis kurz (1-2 Meter) vor dem Liegeplatz darf die Yacht nun nicht mehr aufgestoppt werden. Kommt die Yacht nämlich zum Stehen, greift das Ruder nicht mehr und ein erneuter Versuch, die Yacht rückwärts in Fahrt zu bringen würde das Heck durch den Radeffekt weit aus der gewünschten Fahrtrichtung hinaus versetzen. Das Manöver wäre dadurch verdorben und müsste erneut begonnen werden.

Die Yacht erreicht also mit dem Restschwung den Liegeplatz. Etwa 1-2 Meter bevor das Heck auf die Pier trifft wird die Yacht aufgestoppt und die luvwärtige Achterleine übergeben. Ist diese angeholt und festgemacht, kann die Yacht mit der Maschine im Vorwärtsgang und dem Ruder gegen den Wiederstand der Achterleine auf der Stelle gehalten werden. Nun fischt sich das für die Muring zuständige Crewmitglied die Muringleine aus dem Wasser und macht sie an der Bugklampe fest. Gleichzeitig kann die leewärtige Achterleine ausgebracht werden. Um zum Abschluss des Manövers den erforderlichen Zug auf die Muringleine zu bringen, kann man die Achterleinen wieder um etwa einen halben bis einen Meter fieren. Da die Maschine noch im Vorwärtsgang läuft, bewegt sich die Yacht dadurch auf die Muringleine zu. Dann holen Sie die Lose aus der Muringleine und fixieren diese an der Bugklampe. Nun mit der Maschine im Rückwärtsgang und höheren Drehzahlen gegen den Wiederstand der sich streckenden Muringleine rückwärts auf die Pier zufahren. Ist der Abstand zwischen Heck und Pier so gering, dass Sie ihn mit der Gangway überbrücken können, fixieren Sie die Achterleinen. Nun noch die Gangway hinlegen und dem beschaulichen Abend im gemütlichen Hafen steht nichts mehr im Wege.

Wenn Sie am nächsten Morgen wieder aufbrechen möchten, starten Sie Ihre Maschine und nehmen Sie Ihre luvwärtige Achterleine auf Slip. Die leewärtige kann eingeholt werden. Mit der Maschine im Vorwärtsgang und Ihrem Ruder halten Sie die Yacht gegen den Wiederstand der Achterleine auf Position. Nun kann die Muringleine fallengelassen werden. Bitte denken Sie daran, dass die Muring erst auf den Grund des Hafenbeckens sinken sollte, damit sie sich nicht in Ihrem Propeller verfängt. Ist die dafür notwendige Zeit vergangen, holen Sie die Achterleine ein. Ihre Yacht bewegt sich aus der Boxengasse heraus und für Sie beginnt hoffentlich ein neuer, unvergesslich schöner Segeltag.

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